Anton und die Zeit

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Kindergeschichte Mut Junge

„Anton und die Zeit“ | Kindergeschichte zum Nachdenken

Sucht Ihr eine Kindergeschichte mit tieferem Sinn? Hier gibt es eine Geschichte für Kinder über die Zeit und über einen ganz besonderen Traum eines kleinen Krabbelkäfers…

Anton und die Zeit

Es ist das Ende des Sommers. Die Sonne scheint noch einmal mit aller Kraft und zusammen mit ein paar Regentropfen aus einer dunklen Wolke, bildet sich ein wunderschöner und bunter Regenbogen am Himmel.

Unten am Boden, im feuchten Gras, schaut sich ein kleiner Krabbelkäfer namens Anton die prächtigen Farben an. Sie leuchten kräftig und verzaubern ihn. Er kann nicht wegsehen, weil er so schön ist. 

Schon einmal hatte er versucht, das Ende des Regenbogens zu finden, doch es war zu weit weg gewesen. Eines Tages würde er es bestimmt schaffen.

Ein anderer Käfer läuft an ihm vorbei, stoppt und sieht zu Anton hinüber.

„Was ist denn da?“, fragt der Käfer. „Siehst du nicht diesen wundervollen Regenbogen?“, fragt Anton ihn ratlos.

Der Käfer sieht nach oben, nickt und antwortet: „Ja, ich sehe ihn. Er ist da und ich bin hier.“

Anton versteht nicht. Hatte der andere Käfer noch nie gehört, dass es dort am Ende des Regenbogens Glück regnet?

„Es braucht viel Zeit, um dort hinzulaufen. Wir sind nur kleine Käfer“, erklärt der Käfer. 

„Zeit ist kostbar. Man kann entweder seine ganze Zeit verplempern, um einem einzigen, dummen Traum hinterherzulaufen, oder man begnügt sich mit dem, was man hat“, erklärt der Käfer grimmig.

Anton versteht es immer noch nicht. „Aber ohne Träume sind wir ein Leben lang traurig. Was soll uns antreiben? Warum sollen wir dann leben?“, fragt Anton neugierig und schaut wieder zu dem Regenbogen.

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Anton

Der andere Käfer zuckt mit seinen Schultern und geht weiter.

Ganz langsam verblasst der Regenbogen und die Sonne breitet sich wieder am ganzen Himmel aus.

Anton sitzt traurig auf einem kleinen Ast und überlegt, wie er eines Tages seinen Traum erfüllen kann. Ist es wirklich verschwendete Zeit, seinem Traum nachzulaufen? Ist es wirklich besser, wenn man das schätzt, was man hat und damit zufrieden ist? Ist es denn wirklich nur ein dummer Traum?

Plötzlich schaut eine Raupe hinter einer Blume hervor. Sie bemerkt den kleinen, traurigen Käfer und fragt ihn: „Was ist denn passiert, kleiner Käfer?“

Anton erzählt ihr von seinem Traum und dass es ihn eine Menge Zeit kosten würde, um zu dem Ende des Regenbogens zu gelangen.

„Würde es dich denn glücklich machen, dorthin zu kommen?“, fragt die Raupe. „Ja, sehr sogar. Es wäre mein größter Traum“, antwortet er fröhlich.

„Weißt du, wir haben nur diese Zeit. Wir müssen auf unser Herz hören. Zeit ist relativ. Wenn es dich glücklich macht, das Ende des Regenbogens zu suchen, dann tu es. Wenn es dich glücklich macht, hierzubleiben, dann tu es“, lehrt ihm die schlaue Raupe.

„Es sind viele Schritte, die ich gehen muss“, sagt Anton. Die Raupe nickt und schaut an den Himmel.

„Dein Regenbogen wird irgendwo auf dich warten“, antwortet die Raupe und verschwindet.

Anton steht auf, läuft so schnell er nur mit seinen kleinen Krabbelkäfer-Beinchen kann und ist sich jetzt sicher, dass seine Zeit nicht hier, sondern dort sein wird.

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